Helden mit Handicap

Charlotte Ronas erarbeitet mit der Theatergruppe der Heidecksburg Werkstätten den Prolog.

Du arbeitest mit der Theatergruppe der Heidecksburg Werkstätten. Wie erlebst du die Arbeit mit diesen besonderen Menschen?

Die Arbeit mit den Heidecksburgern ist auf jeden Fall bereichernd für das Theater. Sie zeichnen sich aus durch ihre große Offenheit. Die ver-rückte Wahrnehmung oder der andere Blick, auch der kluge einfache Blick, die pure Spielfreude und ihre Verletzlichkeit… all das zeigt sich unverstellt. Wohl gibt es Scham, aber keine Eitelkeit. Das macht es leichter. Schwieriger ist es an Rahmenthemen wie Partnerspiel, Rhythmus, Koordination, chorisches Spiel, Choreografie, Wiederholbarkeit, körperlich- und sprachlich gestisches Spiel usw. zu arbeiten. Da muss man sich anpassen an jedes einzelne Spieleruniversum und diese dann zusammenführen. Das ist aber eine schöne Herausforderung. Das wichtige bei der Arbeit aber ist, wie wir alle zusammen an der Geschichte arbeiten und dabei eine Familie sind, wo sich jeder einbringt, egal womit. Die Arbeit ist von sehr viel Wärme und Aufmerksamkeit geprägt. So erlebe ich das.

Was werden uns „die Helden mit Handicap“ dieses Jahr in ihrem Vorspiel erzählen?

Unser Thema, von Stefan angeregt, ist dieses Jahr: Handel und Streit im Wandel der Zeit. Wir haben uns auf eine Zeitreise begeben. Anlässlich des Jubiläumsjahres zum Untergang der Titanic, haben wir unsere Zeitmaschine „Tiktanik“ getauft und der Arbeitstitel lautet also auch: „Untergang der Tiktanik“. Wir reisen im Vorspiel vom Anbeginn der Zeit bis ins Zeitalter von Romeo und Julia. Wir erleben das Paradies, die Urzeit, Mesopotamien, die Seidenstrasse und werden gemeinsam mit Columbus in Verona auf dem Marktplatz landen. Mitten in der Schlacht der beiden Veroneser Häuser Capulet und Montague.

Du bist ausgebildete Schauspielerin. Wie bist du zur Regie gekommen?

Ich habe schon früher Erfahrungen in der Regie gesammelt. Mein Jahr an der Jacques Lecoq Theaterschule hat mich in dieser Hinsicht stark geprägt. Da haben wir wöchentlich kleine Minidramen entwickelt und somit auch den Blick fürs „Ganze“ geschult. Auch als Gastdozentin an der Leipziger Schauspielschule habe ich dann die Verantwortung fürs Ganze übernommen. Irgendwann konnte ich auch mal abgeben an Andere. Ich sehe mich als eine Art „Hebamme“: Ich helfe dabei Ideen auf die Welt zu bringen.

Woher kennst du Stefan beziehungsweise, wie bist du zum Projekt gekommen?

Ich kenne Stefan als Kollegen. Wir haben zusammen in Rudolstadt auf der Bühne gestanden. Vor zwei Jahren kam die Idee in Stefans Truppe auf, mit der Theatergruppe der Heidecksburg Werkstätten zusammen zu arbeiten: „Profis“ und „Andere“. Genau da fiel die Leiterin dieser Gruppe aus. Tanja hat mich daraufhin angesprochen, ob ich Lust hätte diese Aufgabe zu übernehmen. Ich fuhr hin zu einem Gespräch und es war Liebe auf den ersten Blick.

Charlotte  Ronas (Regie Vorspiel)

… entwickelte bereits für die „Nibelungen2011“ das Vorspiel.  Schauspielausbildung an der Hochschule  für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin. Seit 2008 Ensemblemitglied des  Theaters Rudolstadt. Davor Engagements am Hans Otto Theater Potsdam, Theaterhaus Jena und am  Schauspielhaus Chemnitz.

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