Tybalts Sehnsucht

Rebecca Wolf ist Tybalt und interessiert sich für seine Sehnsucht nach Liebe.

Das ist für dich das erste Sommertheaterprojekt mit Stefan. Worauf freust du dich besonders?

Besonders freue ich mich darauf, Neues zu lernen. Dazu gehört neben dem Fechten und dem Puppenspiel auch die Erfahrung mit einer Horde Schauspieler zwei Monate unter einem Dach zu leben. Da ich Stefan bisher nur als wunderbaren Schauspielkollegen kenne, bin ich auch sehr gespannt darauf, ihn als Regisseur zu erleben und freue mich auf unsere gemeinsame Arbeit.

Welche Rolle wirst du übernehmen und worin liegt der besondere Reiz für dich?

Ich spiele Tybalt, sozusagen der Bösewicht des Stückes. In seiner Strenge und seiner gleichzeitigen Verletzbarkeit liegt für mich der Reiz. Zudem ist es meine erste Rolle in einer Shakespeare Produktion. Das Stück und die Filmversion mit Leonardo di Caprio haben mich schon lange begleitet und für mich ist es eine Ehre diesen Sommer Teil der Geschichte zu werden.

„Hier tobt der Hass, doch mehr noch tobt die Liebe.“, sagt
Romeo. Glaubst du Tybalt wird auch von Liebe getrieben? Zu wem?

Ich glaube, dass das Suchen und Finden der Liebe, die oft damit einhergehende
Eifersucht, der Kampf und im schlimmsten Falle auch der Hass ein grundlegendes
Streben von jedem Menschen ist. Wir sind getrieben von unseren Sehnsüchten und
wollen meist das, was wir nicht sind und das, was wir nicht haben. Wir streben
nach dem Erreichen des Optimums und sind, gerade in Liebesdingen, besonders
empfindlich und verletzlich, wenn es nicht so funktioniert, wie wir uns das
vorgestellt hatten. Aus diesem Prinzip lässt sich auch Tybalt nicht
ausschließen. Er ist sozusagen mittendrin in seinem eigenen persönlichen Kampf.
Er will groß und stark sein, sehnt sich aber eigentlich auch danach, einfach mal
loslassen zu können und einfach nur geliebt zu werden. Aber die Liebe hat er
noch nicht gefunden, er will schließlich nicht verletzt werden, was sich in der
Liebe aber leider meist nicht vermeiden lässt. Er spielt den Macho in seinem
Stolz und in seiner Ehre, Julia zu beschützen. Aber grundsätzlich erfüllt es ihn
mit Eifersucht, sogar mit Hass, andere so glücklich zu sehen wie er es gerne selbst
wäre.

Das Thüringer Land, die Saale, die Großstadt weit entfernt –
liegt dir das? Kurzum, wo hast du deine Wurzeln?

Oh ja. Das liegt mir. Ich bin froh, eine Zeitlang dem Trubel der Großstadt zu entfliehen. Berlin kann auf Dauer sehr anstrengend sein, und es ist schön, hier mitten im Grünen sein
zu Hause für die nächste Zeit zu haben. Mit hoffentlich viel Sonne,
Vogelgezwitscher, Proben, anstrengender körperlicher und geistiger Arbeit. Für
mich ist es ein tolles Gefühl am Abend schon um zehn im Bett zu liegen und vor Erschöpfung sofort einzuschlafen und am nächsten Morgen um acht wieder munter zu
werden. In Berlin schaffe ich das irgendwie nie. Hier gibt es auch keinen
Fernseher. Ich bin auch in einer Kleinstadt aufgewachsen, in Butzbach, das ist
in Hessen. Ich würde mal sagen, back to the roots.

Rebecca Wolf

Freischaffende Theater- und Musiktätigkeit, unter anderem am Theater im Hof, 2008 Abschluss der Schauspielausbildung in Köln, spielte in mehreren Independentfilmen, bis 2011 im Theater 89 engagiert, danach in der Brotfabrik in „The Joker“ (Welturaufführung) zu sehen (beide in Berlin),  schreibt deutschsprachige Lieder und veröffentlicht dieses Jahr ihr erstes  Buch.

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