Die gute Fee

Ich bin sicher, Johanna ist eigentlich eine Fee. Sie kann nämlich zaubern.

Du betreust die Produktion vor Ort und bist gleichzeitig die Dramaturgin. Wir erleben dich als unerschütterliche Optimistin. Dir scheint immer etwas einzufallen. Gab es eine Situation die dich an deine Grenzen gebracht hat?

Bisher nicht, aber die Tour beginnt ja gerade erst. Natürlich gibt es immer wieder neue und ungeahnte Situationen, aber aus den vergangenen Jahren weiß ich, dass pünktlich zum Vorstellungsbeginn alles am rechten Fleck ist.

Du bist die Dramaturgin der Produktion, welche Schwerpunkte setzt ihr bei eurer Inszenierung?

Wir wollen vom Hass und von der Liebe erzählen; vom Zusammenhang von Leben, Lieben und Sterben. Im Mittelpunkt steht die Fragilität der jungen Liebenden, ihr Anfang und Streben nach Veränderung. Im Kontrast dazu das System der Elterngeneration, festgefahren und unbeweglich. Wir erzählen wie Hoffnungen geweckt werden und überlassen es den Zuschauern aus den Bildern zu lesen, ob sich der hohe Einsatz immer lohnt.

Was magst du an „Romeo und Julia“ besonders gern? Warum kann die Welt auf keinen Fall auf dieses Stück verzichten?

Es ist das Shakespeare Stück schlechthin und rein theoretisch betrachtet, ist es unentbehrlich, weil sich mit diesem Stück eine neue
Gattung entwickelte, die Liebestragödie. Inhaltlich gesehen wird die
Liebe, oder das, was die Figuren für Liebe halten, auf so unterschiedlichen
Ebenen behandelt, dass sich wirklich jeder angespochen fühlen kann. Es ist
zugleich Kritik und Lobgesang. Ganz persönlich sind mir Romeo und Julia aber zu
verklärt, die Nebencharaktere wie Mercutio und Tybalt wirken auf mich viel
stärker.

Du hast für das Programm der Produktion eine Reihe von Texten zusammengestellt. Für mich zieht sich der Wahnsinn wie ein roter Faden durch deine Auswahl.  Sind Romeo und Julia „Wahnsinnige“?

Vor ein paar Jahren fiel mir ein Artikel in die Hände, der ausgehend von der Biochemie, das Verliebtsein erläutert und zu dem Schluss kommt,  dass der Hormonspiegel Verliebter dem von Wahnsinnigen sehr ähnlich ist.

Für mich sind Romeo und Julia Wahnsinnige in ihrer Leidenschaft, sie ergeben
sich voll und ganz. Was sie tun, ist rational nicht begründbar. Aber dieser
Wahnsinn stellt einen Zauber her, eine Illusion, etwas ganz und gar
Bedingungsloses, dass die Liebe fordert. Beide sind bereit alles, auch sich
selbst, dafür zu opfern. Vielleicht sind sie Wahnsinnige, aber wären sie es nicht, würden wir uns nicht für sie interessieren.

Johanna Müller

… geboren in Nordhausen, diverse Schultheaterproduktionen, u.a. Goethes „Werther“ produziert, Abitur 2010, 2010/2011 FSJ Kultur am Theater Rudolstadt, 2011/2012 Aufenthalt in den Niederlanden, Assistenz bei „Hamlet2010“ und „Nibelungen2011“.

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