Die allertraurigste Geschichte des Mr. Dodgson vom armen, armen Dodo…

Eines Tages lud Mr. Dodgson Ina, Edith und Alice Liddell in das Universitätsmuseum von Oxford ein. Die drei Mädchen freuten sich sehr und stürmten aufgeregt in die große Halle des Museums. Um sie herum gab es unzählige Bilder, ausgestopfte Tiere, Bücher und Tierskelette. „Es gibt Menschen“, sagte Mr. Dodgson, „die sagen, dass alle Dinge hier im Museum um Mitternacht lebendig werden.“ Die kleine Alice war ganz erschrocken: „Auch die Skelette?“ „Ja“, erwiderte Ina, „aber da sind wir schon weg.“ Alice wusste nicht genau, sollte sie neugierig hoffen das Wunder zu erleben, sich vielleicht unter einer der Vitrinen verstecken, oder sollte sie sich ängstlich an den lieben Onkel klammernd Furcht vor den vielen Nicht-Ganz-Toten Exponaten haben.

„Jetzt zeige ich euch etwas“, sagte Mr. Dodgson vor einem gläsernen Schaukasten.“Das ist hier bestimmt das Seltsamste: ein Dodo, eine Dronte.“ Alice, Ina und Edith sahen verwirrt und auch ein wenig enttäuscht auf ein paar verstaubte und leicht angefressene Knochen in einer der Vitrinen. „Dort an der Wand hängt ein Bild von dem Dodo. Wenn ihr wollt erzähle ich euch eine wahre und traurige Geschichte vom richtigen Dodo“ sprach Mr. Dodgson mit gewichtiger Stimme. „Wie traurig?“ fragte Alice. „Sehr traurig, doppelt traurig“ antwortete er. „Dann halte ich mir die Ohren zu“ und Alice klemmte sich beide Hände ganz fest an die Ohren. Mr. Dodgson begann zu erzählen: „Es war einmal ein großer, dicker, fröhlicher Vogel, der lebte auf einer einsamen Insel. Kein Mensch hatte sie jemals gesehen, darum hatten sie auch noch keine Namen.“ Die Kinder sahen ihn erstaunt an. Ein Tier ohne Namen? Auch Alice ließ aus Angst etwas zu verpassen die Arme wieder sinken. „Das Dodo hatte keine Feinde, lebte von Früchten und Nüssen und legte Eier, die es wohl behütete – und: es konnte nicht fliegen.“ Nicht fliegen? Soetwas gab es doch gar nicht. Ein Vogel der nicht fliegen kann – das ist doch gar kein Vogel. Die Kinder waren sehr überrascht. „Eines Tages ruderten Seeleute an das Land, die hungrig waren und gleich entdeckten, dass das Dodo ganz und gar vorzüglich schmeckte. Und innerhalb kürzester Zeit hatten die Seefahrer und ihre Hunde (die mochten die Eier ganz besonders gern) alle Dodos aufgegessen. Nur dieses eine, das ihr hier seht hat überlebt. Allerdings starb es nach einer Weile auch – und zwar an Einsamkeit. Dann hat man es ausgestopft und hier im Museum ausgestellt.“ Alice war ganz verwirrt: „Heißt das etwa, es wird nie, nie wieder einen Dodo geben?“ Mr. Dodgson antwortete mit sanfter Stimme „Ja, Alice, das ist wahr. Und das ist sie, die allertraurigste Geschichte vom armen, armen Dodo.“

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